Pressemitteilung

- 30.06.2017

Trockenheit im Harz – Angespannte Situation bei den Talsperren im Westharz

Mit einem überwiegend trockenen Frühjahr 2017 setzt sich aktuell die mehrjährige Trockenheit im Westharz fort. Bereits in den Jahren 2011 bis 2016 waren bei den Talsperren im Harz nur unterdurchschnittliche Talsperrenzuflüsse zu verzeichnen.
Das beobachtete, über mehrere Jahre unterdurchschnittliche Wasserdargebot steht im Gegensatz zu den Klimawandelszenarien, die für die Harzregion in den nächsten Jahrzehnten tendenziell eher geringfügig nassere klimatische Verhältnisse projizieren.
Die Harzwasserwerke als Projektpartner bei verschiedenen Klimafolgenforschungsprojekten (KLiBiW, KLIFF) beobachten nicht nur die neusten langfristigen Modellrechnungen, sondern gerade auch die aktuelle meteorologische Situation, um durch frühzeitiges Agieren die Trinkwasserversorgung aus den Talsperren zu sichern.
Ein überregionales und gesamtheitliches „Wasserversorgungskonzept für Niedersachsen“ könnte ein weiterer ergänzender Lösungsansatz sein, um die zukünftige Wasserversorgung langfristig auf sichere Beine zu stellen. Durch unsere landesweite bzw. landesübergreifende Trinkwasserversorgung engagieren wir uns aktiv, um diese wichtige Zukunftsaufgabe zur Ausarbeitung eines Wasserversorgungskonzeptes zu realisieren. Eine der wesentlichen Versorgungs- und Infrastrukturherausforderungen, die wir gemeinsam in Niedersachsen aktiv angehen sollten.

Die anhaltende Trockenheit im Harz hat dazu geführt, dass die sechs großen Talsperren derzeit im Mittel nur zu 49 Prozent gefüllt sind. Dies ist historisch betrachtet der niedrigste Füllstand zur Jahresmitte seit Bestehen des Talperrenverbundsystems Anfang der 1970er Jahre.
In den drei Trinkwassertalsperren Grane, Ecker und Söse sind momentan noch 51 Millionen Kubikmeter Wasser gespeichert. Diese Ressourcen bieten zusammen mit den vier Grundwasserwerken der Harzwasserwerke in Schneeren, Ramlingen, Liebenau und Ristedt weiterhin gute Voraussetzungen für eine sichere Trinkwasserversorgung. Darüber hinaus steht mit den Teichen des Oberharzer Wasserregals, die zusammen rund 7 Millionen Kubikmeter Wasser speichern, eine zusätzliche Reserve für die Trinkwasserversorgung zur Verfügung.
Das Jahr 2017 zeigt einmal mehr, wie wichtig ein gut aufgestelltes Wasserversorgungssystem ist, wenn in Trockenzeiten nicht nur regional im Nordharzverbundsystem die Beileitungen aus Okertalsperre und im Besonderen auch aus der Innerstetalsperre zur Granetalsperre ein Standbein der Trinkwasserversorgung bilden, sondern auch überregional ein Ausgleich zwischen Wassermangel- und Überschussgebieten herzustellen ist. 

Talsperren mit vielen Aufgaben
Die Talsperren sind Multifunktionsspeicher und dienen neben der Trinkwasserversorgung und dem Hochwasserschutz auch der Niedrigwasseraufhöhung. Die Talsperren sorgen nun in dieser trockenen Phase dafür, dass die Gewässer im Harzvorland ausreichend mit Wasser versorgt werden und nicht austrocknen. Die Wasserstände in den Bächen und Flüssen werden auf einem guten Niveau gehalten, was natürlicherweise in dieser meteorologischen Situation nicht der Fall wäre. Hiervon profitiert aber nicht nur die Tierwelt in den Gewässern. Durch die Regulierung der Talsperren ist die Wassernutzung im Unterlauf, wie zum Beispiel der Betrieb von Wasserkraftanlagen oder Entnahmen von Kühlwasser für Kraftwerke und Arbeitsprozesse weiterhin möglich.
Das für die Niedrigwasseraufhöhung benötigte Wasser wurde beim Harz-Hochwasser Ende Februar/ Anfang März 2017 in den Talsperren aufgefangen und gespeichert.
"Es zeigt sich, wie gut die verschiedenen Aufgaben der Talsperren bei einer komplexen Wassermengenbewirtschaftung bewältigt werden. Hochwasser in nassen Zeiten können aufgehalten und dann in Trockenzeiten sinnvoll eingesetzt werden", so Frank Eggelsmann, Mitarbeiter der Abteilung Wasserwirtschaft bei den Harzwasserwerken.

Bade- und Freizeitnutzung in der Region
Bei den anhaltenden sommerlichen Temperaturen erfreuen sich die drei Talsperren an Innerste, Oker und Oder mit ihren blauen Wasserflächen, eingebettet in die grüne Naturlandschaft des Harzes, einer großen Beliebtheit – nicht nur als Naherholungsgebiet, sondern auch als Badegewässer für die Harz-Touristen und ortsansässige Bevölkerung. Gleiches gilt auch für die als Badeteiche ausgewiesenen Anlagen des Oberharzer Wasserregals, die für eine willkommene Abkühlung in der heißen Zeit sorgen.

Zusätzliche Talsperren-Informationen und Hochwasservorhersagen im Internet
Zusätzlich zu den Talsperren-Informationen auf der Internetseite der Harzwasserwerke GmbH gibt es nun auch Infos zu den Harz-Talsperren im NLWKN-Pegelportal.
Der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) macht es mit seinem Onlineportal www.pegelonline.nlwkn.niedersachsen.de möglich. Das Portal wurde um ein weiteres Informationsangebot ergänzt. Neben den aktuellen Wasserständen an über 100 Pegeln, Hochwasservorhersagen, Sturmflutwarnungen und Hochwasserlageberichten können nun auch aktuelle Informationen zu den sechs großen Talsperren im Harz abgerufen werden. 

Harzwasserwerke:
Als größter Wasserversorger Niedersachsens gehören die Harzwasserwerke mit rund 95 Millionen Kubikmetern Trinkwasser pro Jahr zu den zehn größten Wasserversorgern in Deutschland. Rund 70 Städte, Gemeinden und Wasserverbände im geographischen Dreieck Bremen – Göttingen – Wolfsburg zählen zu den Kunden. Vom Harz bis nach Bremen beziehen täglich rund zwei Millionen Menschen und zahlreiche wichtige Industriebetriebe ihr Trinkwasser aus dem Verbundsystem der Harzwasserwerke, das sich auf sechs Talsperren im Westharz und vier Grundwasserwerke stützt. Der größte Teil des Wassers stammt aus dem Harz, wo es in Talsperren gespeichert, in Wasserwerken aufbereitet und über ein ca. 520 Kilometer langes Trinkwasserverbundsystem an die örtlichen Wasserversorgungsunternehmen weitergegeben wird. Diese übernehmen anschließend den Transport des Trinkwassers bis zum Endkunden. Neben der Trinkwasserversorgung zählen der Hochwasserschutz, die Niedrigwasseraufhöhung und die Unterhaltung des Oberharzer Wasserregals zu den Hauptaufgaben des Hildesheimer Unternehmens.

Dipl.-Ing. Henry Bodnar Vertrieb und Öffentlichkeitsarbeit Tel. 05121 404-123 bodnar@harzwasserwerke.de
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