FAQ: Vorbereitungen Doppeltrockenjahr

Aufgrund der aktuellen Vier-Wochen-Wetterprognose des Deutschen Wetterdienstes bereiten sich die Harzwasserwerke ab sofort auf weiterhin ausbleibenden Regen vor. Zusammen mit dem Umweltministerium und dem Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wurden bereits Sofortmaßnahmen umgesetzt und weitere Maßnahmen vorbereitet, um die Trinkwasserversorgung von rund zwei Millionen Menschen in Niedersachsen auch im schlechtmöglichsten Fall zu garantieren.

Fragen und Antworten

Was ist ein Doppeltrockenjahr?

Unter einem Jahr werden allgemein die Monate von Januar bis Dezember verstanden. In der Wasserwirtschaft wird dies aber anders gehandhabt: Ein Wasserwirtschaftsjahr geht vom 1. November bis 31. Oktober. Fällt in diesem Zeitraum weniger als 80 % des durchschnittlichen Niederschlags, spricht man von einem Trockenjahr. Folgen zwei Trockenjahre aufeinander, spricht man von einem Doppeltrockenjahr. Wenn zum Beispiel ein sehr trockener Winter und ein trockener Sommer aufeinander folgen, kann es zu einem Doppeltrockenjahr kommen.

Der Unterschied zwischen Kalenderjahr und Wasserwirtschaftsjahr kommt aus der Gewässerkunde. Das Wasserwirtschaftsjahr 2018 geht vom 01. November 2017 bis zum 31. Oktober 2018.

Ist die Versorgungssicherheit in Gefahr?

Nein, die Versorgungssicherheit ist nicht in Gefahr. Bei den Harzwasserwerken arbeiten erfahrene Mitarbeiter mit langjähriger Betriebszugehörigkeit. Jeden Tag beobachten sie die aktuelle Situation. Wie ist das Wetter? Was für Zuflüsse haben wir in die Talsperren? Durch das Talsperrenmanagement können extreme Situationen wie Hochwasser oder Dürre gesteuert werden. Bereits seit mehreren Monaten haben die Harzwasserwerke erkannt, dass dieses Jahr eine Herausforderung für die Wasserwirtschaft werden könnte und haben dementsprechende Absprachen und Maßnahmen vorbereitet, die jetzt greifen.

Was haben die Harzwasserwerke gemacht, damit wir weiter sicher Wasser bekommen?

Die Harzwasserwerke haben sofort Maßnahmen umgesetzt und planen weitere Maßnahmen mittel- und langfristig. Auf diese kann dann zurückgegriffen werden, je nach der sich entwickelnden Wetterlagen.

Bereits Anfang der Woche haben die Harzwasserwerke die Trinkwasserabgabe aus der Sösetalsperre in Richtung Norden gedrosselt. Das Wasser, das sonst von der Sösetalsperre Richtung Norden fließt, wird nun größtenteils aus der Granetalsperre entnommen. „Damit können wir an der Sösetalsperre 150 Liter in der Sekunde einsparen und die Ressourcen der Talsperre auf die Versorgung des Südens von Niedersachsen und Göttingen fokussieren“, erklärt Dr. Donner. Aktuell prüfen die Harzwasserwerke, ob eine Substitution durch die Granetalsperre um weitere 50 Liter in der Sekunde möglich ist. Außerdem wird ein Teil des UNESCO- Weltkulturerbes Oberharzer Wasserwirtschaft dazu genutzt, mehr Zuflüsse in die Sösetalsperre umzuleiten. So soll Wasser teilweise aus dem Morgenbrodstaler Graben in die Talsperre eingeleitet werden, was einige Liter in der Sekunde Ressourcengewinn bedeuten kann.

Bereits im August hatten die Harzwasserwerke mit dem NLWKN, das die Talsperrenaufsicht führt, einen Plan vereinbart, der es ihnen ab einem bestimmten Füllungsgrad der Sösetalsperre gestattet, die Unterwasserabgabe in den Flussunterlauf zur Niedrigwassererhöhung etwas zu reduzieren. In diesem Sonderbetriebsplan war vereinbart worden, die Unterwasserabgabe auf 200 Liter pro Sekunde und dann in einem weiteren Schritt auf 100 Liter pro Sekunde zu reduzieren. „Aktuell stimmen wir mit dem NLWKN ab, die sofortige Reduzierung auf 100 Liter pro Sekunde zuzulassen“, sagt Dr. Donner.

Wieso ist es ein Problem, dass es so wenig geregnet hat?

Aktuell kommen mehrere Faktoren zusammen: extrem wenig Niederschlag, hoher Wasserverbrauch in Niedersachsen und dadurch sinkende Talsperrenfüllstände. Durch diese Kombination müssen sich die Harzwasserwerke jetzt zusammen mit dem Umweltministerium und der Aufsichtsbehörde, dem NLWKN, vorbereiten.

Aktuell regnet es doch. Eigentlich ist das Problem doch jetzt gelöst?

Der Regen, der aktuell im Harz niedergeht, wird nicht automatisch zu Zuflüssen in die Talsperren. Denn die Pflanzen und das Erdreich sind ausgetrocknet und saugen das Wasser auf. Um eine echte Entlastung zu bekommen, sind mehrere nasse Tage nötig.

Der jetzige Regen hat keine nennenswerten Zuflüsse für die Talsperren generiert, da der meiste Niederschlag unterhalb der Talsperren niedergegangen ist.

Warum stoppen die Harzwasserwerke nicht einfach die Abgabe aus den Talsperren in die Flussunterläufe?

Durch die Niedrigwassererhöhung speisen die Harzwasserwerke die Flüsse unterhalb der Talsperren, wie zum Beispiel die Oker und die Innerste. Das Wasser in diesen Flüssen kommt zur Zeit maßgeblich zwischen 50% bis 90% aus den Talsperren. Ohne die Talsperren würden diese Flüsse unter Umständen abschnittsweise trockenfallen – mit schweren Folgen für das aquatische Ökosystem. Trotz der Abflusserhöhung der Flüsse durch die Harzwasserwerke haben erste Industriebetriebe gemeldet, dass das Wasser in den Flüssen zu hohe Temperaturen für die Kühlung ihrer Anlagen hat. Von dieser Kühlung durch Wasser ist die Industrie aber teilweise abhängig. Das bedeutet, dass die Harzwasserwerke nicht einfach die Abgabe von Wasser aus den Talsperren in die Unterläufe der Flüsse einstellen können, da sie sonst der Industrie in Niedersachsen und insbesondere im Harz schaden könnten.

Ist die Versorgung von Wasser aus Talsperren unsicherer als die Versorgung durch Grundwasser?

Die Harzwasserwerke gewinnen ihr Wasser aus den Talsperren im Harz und vier Grundwasserwerken im Norden Niedersachsen. Der Vorteil von Talsperren ist, dass dort aus Hochwasser Trinkwasser wird. Das Wasser aus den Talsperren kommt aus Zuflüssen aus Wald- und Moorgebieten, die meist in Trinkwasserschutzgebieten liegen. Dort wird das Wasser besonders geschützt und ist so von Menschenhand kaum beeinträchtigt worden. Nitrat ist zum Beispiel bei Wasser aus Talsperren kein Problem. Außerdem kann das Wasser vom Harz im freien Gefälle bergab zu den Kunden der Harzwasserwerke fließen. Dabei gewinnen die Harzwasserwerke auch noch grüne Energie durch Turbinen. Durch ihre Multifunktion für den Hochwasserschutz, die Trinkwassergewinnung und die Auffüllung der Flüsse in trockenen Zeiten, sind Talsperren für Niedersachsen von elementarer Bedeutung.

Der Vorteil von Grundwasser ist, dass die Ressourcen nicht so stark von den unmittelbaren Wetterlagen betroffen sind wie die Talsperren.

Die Erfahrung in den vergangenen Monaten und Jahren zeigt, dass eine Versorgung aus beiden Ressourcen optimal ist. So haben die Harzwasserwerke während der vergangenen Trockenzeiten keine Versorgungsengpässe gehabt und können sich jetzt in der aktuellen Situation auf verschiedene Wetterszenarien einstellen.

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