Pressemitteilung

- 28.07.2015
Oberharzer Wasserwirtschaft

In der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 2010 war es soweit. Das UNESCO-Welterbekomitee traf im über 9.000 Kilometer entfernten Brasilia eine lang ersehnte Entscheidung, die dem Harz eine weitere, ganz besondere Auszeichnung verleihen sollte – die Oberharzer Wasserwirtschaft wurde Teil des bereits bestehenden Weltkulturerbes Bergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar. Das Welterbe entwickelte sich seitdem zu einem beliebten Touristenziel in Niedersachsen und führt jährlich tausende Besucher auf die spannenden Spuren der Bergbaugeschichte im Harz.

Das reichhaltige Vorkommen an Bodenschätzen wie Silber, Blei und Kupfer führte seit dem Mittelalter zu einem regelrechten Boom des Bergbaus im Harz, der das Wirtschaftsleben und das Landschaftsbild der Mittelgebirgsregion nachhaltig beeinflussen sollte. Für den energieintensiven Abbau der kostbaren Metalle benötigte man eine natürliche Antriebskraft, um die Pumpen und Förderanlagen betreiben zu können. Mönche aus dem Kloster Walkenried erkannten im 12. Jahrhundert die Möglichkeit, von den Hängen herabfließendes Regenwasser als entscheidende Kraftquelle für den Bergbau zu nutzen. „Es entstand damals ein ausgeklügeltes System aus Stauteichen und Gräben, um das Wasser aufzufangen und an die Wasserräder weiterzuleiten. Mit ihrem technischen Pioniergeist legten die Mönche den Grundstein für das bedeutendste vorindustrielle Energieversorgungssystem der Welt“, erklärt Justus Teicke, Leiter der Abteilung Talsperren bei den Harzwasserwerken.

Vom Energieversorgungssystem zum Denkmal

Über Jahrhunderte hinweg dienten zahlreiche Stauteiche, Gräben und unterirdische Wasserläufe der Montanwirtschaft im Harz als wichtigste Energiequelle. Nach der weitgehenden Stilllegung des Bergbaus in den 1930er Jahren nutzte man die Anlagen der Oberharzer Wasserwirtschaft zur Stromerzeugung, bis auch dieses Kapitel Anfang der 1980er Jahre beendet war. Um die unter Denkmalschutz stehenden Bauwerke aber weiterhin zu erhalten, beauftragte das Land Niedersachsen zunächst die Landesforstverwaltung mit der Betreuung. Im Jahr 1991 wurde diese Aufgabe an die Harzwasserwerke übertragen, die seitdem die Verantwortung für den Erhalt des historischen Erbes tragen.

Betriebshof Clausthal – Fachleute im Einsatz

Auf dem ehemaligen Gelände des Kaiser-Wilhelm-Schachts II in Clausthal-Zellerfeld entstand für diese Aufgabe ein neuer Betriebshof der Harzwasserwerke, der bis heute in einer originalgetreu restaurierten Erzbergwerkanlage untergebracht ist. Insgesamt 12 Mitarbeiter kümmern sich hier ausschließlich um den Erhalt des jahrhundertealten Anlagensystems der Oberharzer Wasserwirtschaft, das sich über eine Fläche von rund 200 Quadratkilometern erstreckt. Mit einem Kostenaufwand von rund 1,3 Millionen EURO pro Jahr werden so über 65 Teiche und mehr als 70 Kilometer Gräben instand gehalten. In Abstimmung mit den niedersächsischen Denkmalschutzbehörden führen die Mitarbeiter der Harzwasserwerke alle Erhaltungs- und Schutzmaßnahmen mit traditionellen Baustoffen und überlieferten Techniken aus. „Vom Schlosser über den Maurer bis hin zum Zimmermeister sind hier die unterschiedlichsten Berufe vertreten“, erklärt Betriebshofleiter Marcus Hödl. „Ich selber zum Beispiel bin gelernter Bergmann.“ Mit ihrem fachlichen Know-how kümmern sich die speziellen Bautrupps seit fast 25 Jahren sowohl über als auch unter Tage um den Erhalt des riesigen Kulturdenkmals.

Auf dem Weg zum Weltkulturerbe

Nachdem die UNESCO im Jahr 1992 die Altstadt von Goslar und das Bergwerk Rammelsberg zum Weltkulturerbe erklärt hatte, reiften bereits kurze Zeit später erste Pläne, die einzigartige Bedeutung der Oberharzer Wasserwirtschaft ebenfalls international herausstellen zu lassen. Auch hierbei war die treibende Kraft der 2012 verstorbene Prof. Dr. Reinhard Roseneck in seiner Tätigkeit für die Denkmalpflege des Landes Niedersachsen. „Es war ein langer Weg, bis alle Anträge eingereicht waren, aber die Mühe hat sich für den Harz dann schließlich doch ausgezahlt“, so Justus Teicke. Im Sommer 2010 beriet das Welterbekomitee auf einer mehrtägigen Sitzung in der brasilianischen Hauptstadt darüber, ob die Oberharzer Wasserwirtschaft künftig tatsächlich in einer Reihe mit der Chinesischen Mauer oder den Pyramiden von Gizeh stehen sollte. „Wir waren alle sehr gespannt und wussten nicht, wie die Entscheidung ausgehen würde. Um vier Uhr morgens kam dann endlich eine SMS mit der kurzen Nachricht, dass es geklappt hat“, erinnert sich Teicke. „An Schlaf war dann nicht mehr zu denken.“ Mit dem Beschluss erweiterte die UNESCO offiziell die bestehende Welterbestätte „Bergwerk Rammelsberg und Altstadt Goslar“ um die Oberharzer Wasserwirtschaft.

Royal Water – Hymne der Oberharzer Wasserwirtschaft

Um die Oberharzer Wasserwirtschaft und seine Bedeutung für die Region herauszuheben, beauftragten die Harzwasserwerke Peter Kleine Schaars, Chefdirigent der „Königlichen Marinekapelle der Niederlande“, eine Hymne zu komponieren. Das Musikstück „Royal Water“ beschreibt klangvoll den Lauf des Wassers sowie den Bergbau im Harz und wurde dieses Jahr am Tag der Niedersachsen in Hildesheim aufgeführt. In ihrer Anmoderation hoben dabei Harzwasserwerke-Geschäftsführer Renke Droste und Gerhard Lenz, Direktor der Welterbestiftung „Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft“, die Bedeutung der Oberharzer Wasserwirtschaft heraus und betonten den Gewinn für die Region, der sich aus der Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe ergeben hat.

Besichtigungen & Führungen

Für Besucher bietet das Oberharzer Bergwerksmuseum ein vielfältiges Tourenangebot an, das zur spannenden Entdeckungsreise in die versunkene Welt des Oberharzer Bergbaus und seiner Wasserwirtschaft einlädt. So stehen neben übertägigen Führungen durch die idyllische Naturlandschaft auch untertägige Abenteuertouren mit Helm, Gummistiefeln und Lampe auf dem Programm.

Als idealer Begleiter auf der Spurensuche kann im Oberharzer Bergwerksmuseum der e.guide EMIL ausgeliehen werden. Mit diesem elektronischen Führungssystem im handlichen Format lassen sich die verblüffenden Zusammenhänge von Landschaft, Bergbau und Oberharzer Wasserwirtschaft einfach und unterhaltsam nachvollziehen. Zahlreiche Informationen, historische Fotos und 3-D-Animationen bieten sowohl Kindern als auch Erwachsenen spannende Einblicke in die Bergbaugeschichte.

Mit ihrem riesigen Areal bietet sich die Oberharzer Wasserwirtschaft besonders für ausgiebige Wanderungen an. Zahlreiche „WasserWanderWege“ und „Welterbe-Erkenntniswege“ führen durch die einzigartige Naturlandschaft und geben anhand von Informationstafeln Auskunft über die historischen Anlagen am Wegesrand.

Auf dem Betriebshof der Harzwasserwerke in Clausthal besteht die Möglichkeit, ein Wahrzeichen des Harzer Bergbaus zu besichtigen. Besucher finden hier neben dem zweitältesten erhaltenen Förderturm in Deutschland eine originalgetreu restaurierte Erzbergwerkanlage. Die in das Gebäudeensemble integrierte Ausstellung informiert zusätzlich mit zahlreichen historischen Exponaten über die Oberharzer Wasserwirtschaft.

 

Nähere Informationen zu den Führungen und Besichtigungsmöglichkeiten erhalten Sie unter:

Oberharzer Bergwerksmuseum
Bornhardtstraße 16, 38678 Clausthal-Zellerfeld
Tel.: 05323 9895-0 - Fax.: 05323 989569
E-Mail: info@oberharzerbergwerksmuseum.de
www.oberharzerbergwerksmuseum.de

 

Service für Redaktionen:

Diverses Fotomaterial stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung.

Broschüre „UNESCO-Welterbe Oberharzer Wasserwirtschaft“
http://www.harzwasserwerke.de/downloads/br_uwoww.pdf

Flyer „UNESCO-Welterbe Oberharzer Wasserwirtschaft“
http://www.harzwasserwerke.de/downloads/fly_uwoww.pdf

Robert SchellhaseVertrieb und ÖffentlichkeitsarbeitTel.: 05121 404-117schellhase@harzwasserwerke.de
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