Pressemitteilung

- 24.06.2017

Am 24. Juni wird der Landwirtschaftsminister, Christian Meyer, das Wasserwerk Ristedt besuchen. Anlass für den Besuch ist unter anderem die Diskussion über Nitrat im Trinkwasser. Des Weiteren möchte er sich aber auch über die Trinkwasserproduktion im Wasserwerk Ristedt und die Probleme um die Trinkwasserproduktion im Allgemeinen informieren.


Taschenspielertricks zur Zielerreichung der EG-Wasserrahmenrichtlinie?

Durch die Änderung des Düngegesetztes sowie der Novelle der Düngeverordnung wird mit der Stoffstrombilanz kein nachhaltiger und wasserwirtschaftlich notwendiger Umgang mit Nitrat erreicht. Die scheinbare transparente und überprüfbare Darstellung der Nährstoffflüsse in den landwirtschaftlichen Betrieben und die „Taschenspielertricks“ über die Nährstoffverluste zur Darstellung des schonenden Umgangs mit Ressourcen führt nachweislich zu weiteren Stickstoff-Einträgen in das Grundwasser oberhalb des Grenzwertes (50 mg/l) der Trinkwasserverordnung. Nun sind viele Wasserversorgungsunternehmen in Niedersachsen schon mit erhöhten Nitratkonzentrationen betroffen. Eine Aufbereitung der nitratbelasteten Grundwässer erfordert umfangreiche Investitionen, deren Kosten in verschiedenen Studien veröffentlicht sind. Zuletzt wurde durch das Umweltbundesamt im Rahmen der Studie „Quantifizierung der landwirtschaftlich verursachten Kosten zur Sicherung der Trinkwasserbereitstellung“ aufgezeigt, dass sich die Trinkwasserkosten zwischen 55 bis 76 Cent pro Kubikmeter erhöhen könnten. Wer trägt diese Kosten? Nach dem Verursacher-Prinzip die Landwirtschaft, wenn die gesetzliche Grundlagen durch die „Neuordnung der guten fachlichen Praxis beim Düngen“ (26. Mai 2017) nun aber genau das legitimieren, zahlt es der Trinkwasserkunde. Vergesellschaftung von Produktionskosten als neue Form der Agrarsubvention? Natürlich kann man im Wasserkreislauf auch am Ende der Kette ansetzen, technologisch ist das möglich, wirft allerdings eine Menge an Kettenreaktionen auf. Wenn Membranverfahren für die Nitratentfernung genutzt werden, führt das zu einer Verringerung der Trinkwassermenge, da ca. 10 - 20 % des bisherigen Trinkwassers als Betriebswasser verbraucht werden. Bei der teilweise sehr angespannten Wasserdargebotssituation in Niedersachsen, führt das zu einer weiteren Verschärfung der konkurrierenden Nutzung. Hat dann die Trinkwasserversorgung die höchste Priorität, die Landwirtschaft, Industrie- und Gewerbe oder der Naturschutz? Eine zeitnah zu klärende Fragestellung durch die Politik und Landesregierung. Wie geht man mit den Reststoffen um, die durch das technologische Verfahren aufkonzentriert wurden und dann wieder als Punktquelle in die Umwelt zurückgegeben oder entsorgt werden müssen. Auch hier bedarf es einer einheitlichen Klärung mit den Unteren Wasserbehörden. Sie entscheiden über die Möglichkeit und die weitere Erhöhung der Kosten für das Trinkwasser. Im Fußball sagt man „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ und so kann man es auch jetzt sehen. Für Niedersachsen muss ein nachhaltiger und zukunftssicherer Lösungsansatz ausgearbeitet werden. Wir brauchen „Wasser-Ernte-Gebiete“ in denen wir mit naturnahen Aufbereitungsverfahren Trinkwasser für die Menschen von Niedersachsen zur Verfügung stellen.

 

Ein Lösungsweg

Ein überregionales und gesamtheitliches „Wasserversorgungskonzept“ könnte ein weiterer ergänzender Lösungsansatz sein, um die zukünftige Wasserversorgung für alle Nutzer langfristig zu sichern! Mit den verschiedenen am Wasserkreislauf beteiligten Nutzern und den Ministerien/ Behörden könnten die derzeitig vorliegenden Daten zur Versorgungssituation und deren zukünftige Entwicklung zusammengeführt werden. Dort wo noch weitergehender Bedarf zur Datenerhebung oder zur Forschung besteht, kann dieser definiert und gestartet werden.  Auf dieser Basis könnte dann für Niedersachsen ein „Masterplan Wasser“ (Nachhaltiges Wasserversorgungskonzept) entwickelt werden, der die verschiedenen Interessen aller Nutzergruppen (z.B. Landwirtschaft, Naturschutz, Industrie, Trinkwasser und weitere Nutzergruppen) und damit der Gesellschaft Entwicklung berücksichtigt.

 

Harzwasserwerke GmbH

Als größter Wasserversorger Niedersachsens gehören die Harzwasserwerke mit rund 95 Millionen Kubikmetern Trinkwasserlieferung pro Jahr zu den zehn größten Wasserversorgern in Deutschland. Rund 70 Städte, Gemeinden und Wasserverbände im geographischen Dreieck Bremen – Göttingen – Wolfsburg zählen zu den Kunden. Vom Harz bis nach Bremen beziehen täglich rund zwei Millionen Menschen und zahlreiche wichtige Industriebetriebe Trinkwasser aus dem Verbundsystem der Harzwasserwerke, das sich auf sechs Talsperren im Westharz und vier Grundwasserwerke stützt. Der größte Teil des Wassers stammt aus dem Harz, wo es in Talsperren gespeichert, in Wasserwerken aufbereitet und über ein ca. 520 Kilometer langes Trinkwasserverbundsystem an die örtlichen Wasserversorgungsunternehmen weitergegeben wird. Diese übernehmen anschließend den Transport des Trinkwassers bis zum Endkunden. Neben der Trinkwasserversorgung zählen der Hochwasserschutz, die Niedrigwasseraufhöhung, die regenerative Stromerzeugung und die Unterhaltung des Oberharzer Wasserregals zu den Hauptaufgaben unseres Unternehmens.


Wasserwerk Ristedt

Das Wasserwerk in Ristedt ist mit einer Jahresförderung von max. 20 Millionen Kubikmetern pro Jahr das größte Grundwasserwerk der Harzwasserwerke. Das Wasser wird aus 3 Horizontal- und 16 Vertikalbrunnen, aus einer Tiefe bis 58 Meter gefördert. Es zeichnet sich durch seine hervorragende Qualität aus, ist sehr weich und nitratarm. Die Nitratbelastung des Trinkwassers aus dem Wasserwerk Ristedt stellt mit Konzentrationsgehalten im niedrigen einstelligen Bereich (? 5 mg/l) aktuell kein Problem dar. Das liegt allerdings nicht an einem extrem niedrigen Input, sondern an der Nitrat-Abbaufähigkeit des Grundwasserleiters. Das oberflächennahe Grundwasser weist Konzentrations-gehalte von deutlich über 50 mg/l, wenige sogar über 100 mg/l auf. Wie lange steht noch das Abbaupotenzial im Untergrund zur Verfügung? Die Bemühungen im Grundwasserwasserschutz müssen also auch beim Wasserwerk Ristedt trotz der guten Nitratwerte weiterhin mit großem Eifer fortgeführt werden.

Dipl.-Ing. Henry BodnarVertrieb und ÖffentlichkeitsarbeitTel. 05121 404-123bodnar@harzwasserwerke.de
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