Pressemitteilung

- 18.08.2017

Das Abflussjahr 2017 war bis Anfang Juli eins der trockenen Jahre – historisch betrachtet mit den niedrigsten Talsperrenfüllständen zur Jahresmitte seit Bestehen des Talsperrenverbundsystems Anfang der 1970er Jahre. Der Juli brachte extreme Niederschlagsmengen, die in kurzer Zeit auftraten. Die Monatssummen sind an vielen Stationen des Harzes die höchsten seit Beobachtungsbeginn Anfang 1900.

Mit Niederschlagsmengen von bis zu 300 mm in 72 Stunden wurden Ende Juli Rekordregenmengen im Harz verzeichnet. Nicht nur der Harz, sondern vor allem das nördliche und nordwestliche Harzvorland, das Oker- und Innerste-Gebiet waren von dem Dauerregen betroffen. Alle 6 großen Westharztalsperren konnten das extreme Hochwasser vollständig zurückhalten, ohne die Abgaben in die unterliegenden Gewässer zu erhöhen.

Flussgebiet Rhume
An der Oder- und Sösetalsperre konnten die maximalen Zuflüsse von 61 m³/s (Kubikmeter pro Sekunde) auf eine gleichzeitige Unterwasserabgabe von 1,8 m³/s reduziert werden. Die Abflussminderung für den Bereich des südlichen Harzvorlandes lag somit bei 97 %. Das Speichervolumen über 10 Tage vom 22. bis 31.07.2017 betrug rund 8 Mio. Kubikmeter.

Flussgebiet Oker
An der Oker- und Eckertalsperre wurden die maximalen Zuflüsse von insgesamt 110 m³/s auf eine gleichzeitige Unterwasserabgabe von 1,71 m³/s reduziert. Eine Erhöhung der Unterwasserabgabe erfolgte nicht. Eine Besonderheit ergab sich aus den enormen Abflussmengen unterhalb der beiden Talsperren, was zu einem Abfluss aus dem Nahbereich der Eckertalsperre von bis zu 2,5 m³/s und der Okertalsperre von bis zu 10 m³/s führte. Dies wurde messtechnisch an den beiden Abgabepegeln unterhalb der Talsperren erfasst. Die Abflussminderung für den Bereich des nördlichen Harzvorlandes (Oker) lag somit bei 99 %. Das Speichervolumen hatte eine Größe von rund 13 Mio. m³.

Flussgebiet Innerste
Die Grane- und Innerstetalsperre haben die Zuflussspitze von 140 m³/s auf eine gleichzeitige Abgabe von 1,0 m³/s reduziert, ohne im Verlauf des Hochwassers die Unterwasserabgaben zu erhöhen. Die moderate Abgabeerhöhung auf 5 m³/s an der Innerstetalsperre wurde erst im Laufe des 29.07.2017 vorgenommen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Wasserstände im Harzvorland schon sehr deutlich gefallen. Die Abflussminderung für den Bereich des nordwestlichen Harzvorlandes (Innerste) lag somit ebenso bei 99 %. Das Speichervolumen hatte eine Größe von rund 15 Mio. Kubikmeter. Hiervon hatte die Innerstetalsperre alleine einen Anteil von ca. 10 Mio. Kubikmeter. Die Hochwasserableitungen zur Granetalsperre an der Radau oberhalb von Bad Harzburg, der Gose und des Wintertalbachs oberhalb von Goslar über den Radaustollen und Oker-Grane-Stollen wurden durch hohen Personal- und Maschinenaufwand durch die Harzwasserwerke während der gesamten Hochwasserphase aufrecht erhalten, um somit einen weiteren nennenswerten Hochwasserschutz zu leisten.

Flussgebiet Leine
Im Flussgebiet der Leine liegen die vier Talsperren (Oder-, Söse-, Grane- und Innerstetalsperre). Die Zuflussspitze von rund 200 m³/s wurde auf eine Unterwasserabgabe von 2,8 m³/s reduziert. Dies entspricht auch hier einer Abflussminderung von 99 %. Das Speichervolumen betrug rund 22 Mio. Kubikmeter.

Insgesamt haben die Westharztalsperren bei diesem Hochwasser im 10 Tageszeitraum 35 Mio. Kubikmeter Wasser gespeichert. Sie sind mit einem Füllungsgrad von zurzeit 67 % weiterhin in der Lage, zusätzliche eventuell auftretende Hochwasser einzuspeichern. Die trockene Phase des laufenden Wasserwirtschaftsjahres wurde durch das Hochwasser im Juli unterbrochen. Somit sind die Trinkwassertalsperren mit insgesamt knapp 64 Mio. m³ gut gefüllt.

An den wasserwirtschaftlichen Verhältnissen des Jahres 2017 werden die Multifunktionalitäten der Talsperren sehr deutlich. Wo in Trockenzeiten gerade die Niedrigwasseraufhöhung, also die Unterwasserabgabe der Talsperren, eine besondere Rolle spielt, damit die Gewässer im Harzvorland ausreichend mit Wasser versorgt werden, dienen sie in einer Hochwasserphase der Wasserspeicherung und somit dem Hochwasserschutz des Vorlandes. Die eingespeicherten Wassermengen stehen nun wieder weiteren Aufgaben der Talsperren wie der Trinkwasserversorgung und der umweltfreundlichen Energiegewinnung durch Wasserkraft zur Verfügung.

Dipl.-Ing. Henry BodnarPressesprecher05121 404-123bodnar@harzwasserwerke.de
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