Pressemitteilung

- 08.09.2020
Der Hombach in Ristedt fällt in Dürrephasen immer wieder trocken.

Die anhaltende Dürre in Niedersachsen macht den Harzwasserwerken auch am Standort Ristedt zu schaffen. So hat sich zum Beispiel an der Niederschlagmessstation am Wasserwerk Ristedt seit 2018 ein Niederschlagsdefizit von 197 Millimetern aufgebaut. Das entspricht einem Defizit von rund 29 Prozent des langjährigen Durchschnitts vom Niederschlag eines Jahres an dieser Messstelle. „Insgesamt verzeichnen wir seit 2008 sinkende Grundwasserspiegel“, sagt Maik Uhlen von den Harzwasserwerken. Der Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft hat sowohl Messstellen untersucht, die im Gewinnungsgebiet des Wasserwerkes in Ristedt liegen, als auch Messstellen, die nicht von der Trinkwassergewinnung betroffen sind. „Egal, ob wir dort Trinkwasser fördern oder nicht – in beiden Fällen sinken die Grundwasserspiegel kontinuierlich seit zehn Jahren“, sagt Uhlen. Bestätigt wird diese Einschätzung auch vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, das für weite Teile Niedersachsens in einer Bodentiefe von 1,80 Metern eine extreme bis außergewöhnliche Dürre festgestellt hat.

Unter diesen neuen Umständen leidet neben der Landwirtschaft auch die Ökologie. „Als Trinkwasserproduzent sind wir sicherlich ein Faktor vor Ort, wenn bei Dürren Bäche trockenfallen. Denn wir senken in einigen Bereichen den Grundwasserspiegel ab“, erklärt Uhlen. „Aber wir sind ein ständiger Faktor. Der sich verändernde Faktor ist der Klimawandel.“

Maßnahmen der Harzwasserwerke

Neben dem ausbleibenden Niederschlag wird durch die hohen Temperaturen mehr Wasser benötigt. „Bisher haben wir jedes Jahr den Stresstest hier in Ristedt bestanden“, sagt Marie Kleine, Pressesprecherin der Harzwasserwerke. „Wir konnten immer im vollem vertraglich zugesicherten Umfang Trinkwasser an unsere Kunden liefern. Aber als Harzwasserwerke ist es unser Anspruch, diese Versorgungssicherheit auch noch in zehn oder dreißig Jahren zu garantieren. Wir wollen keinen Kampf ums Wasser.“

Deshalb erforschen die Harzwasserwerke in mehreren Projekten, wie sie sich an die weiteren klimatischen Entwicklungen bis 2050 anpassen können. „Wir wollen wissen, wie sich die Bedarfe unserer Kunden in Zukunft entwickeln werden“, erklärt Kleine. „Darum unterstützen wir das Umweltministerium beim Wasserversorgungskonzept für Niedersachsen und haben zusätzlich gerade alle unsere Kunden von Göttingen bis nach Bremen selbst noch einmal dazu befragt.“ Ziel der Befragung ist es zu klären, wie der zukünftige Wasserbedarf bewertet wird und wie unsere Infrastruktur des Unternehmens sich verändern muss, um auch in Zukunft die Versorgungssicherheit zu garantieren.

„Ein Weg kann sein, die Ressourcen auszubauen“, sagt Kleine. „Ob und wie wir das konkret im Harz angehen, prüfen wir zurzeit im Projekt Energie- und Wasserspeicher Harz, das durch den Europäischen Fond für regionale Entwicklung gefördert wird. Wir wollen herausfinden, was dem gesamten System Harzwasserwerke und damit Niedersachsen am meisten bringt.“ Vom Neubau von Talsperren über die Verbindung von Talsperren über Stollen wird alles ohne Denkverbote von Wissenschaftlern mehrerer Universitäten untersucht.

„Auch am Standort Berxen gibt es noch qualitativ hochwertige Ressourcen, die insbesondere dem Norden Niedersachsens ein Plus an Versorgungssicherheit geben könnten“, sagt Kleine. Schon vor mehr als 30 Jahren hatte der lokale Versorger Syker Vorgeest dort mit den Harzwasserwerken zusammen vorausschauend die Flächen erworben. „Das war sehr weitsichtig von unseren Vorgängern und macht es jetzt möglich, dass wir hier für Syke und die Region Zukunftsoptionen haben.“

Darüber hinaus wollen die Harzwasserwerke als Vorversorger ihre Infrastruktur noch stärker mit denen anderer Endversorger vernetzen. „Wenn wir es schaffen, eine Art Wasserverschiebebahnhof aufzubauen, können wir besser zusammenarbeiten“, sagt Kleine. „Dann kann es Wasserautobahnen und Landstraßen geben, sodass wir uns gegenseitig absichern können. Das wird zwar technisch herausfordernd, aber wir können so das vorhandene Trinkwasser dahin bringen, wo es gebraucht wird.“ Auch hier wollen die Harzwasserwerke ein wissenschaftliches Projekt starten.

In diesem Zusammenhang prüfen die Harzwasserwerke aktuell auch, ob es möglich ist, ihr Leitungsnetz am Standort Ristedt mit dem des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) zu verbinden.

Wasserwerk Ristedt

Das Wasserwerk am Standort Ristedt ist mit einem Wasserrecht von 20 Millionen Kubikmetern Rohwasser pro Jahr und einer jährlichen tatsächlichen Förderung von fast 17 Millionen Kubikmetern das zweitgrößte im System der Harzwasserwerke. Von ihm aus geht ein Drittel des aus dem Rohwasser gewonnenen Trinkwassers an den lokalen Versorger Syker Vorgeest. Zwei Drittel werden an die swb und damit an die Freie Hansestadt Bremen verkauft. 27 Brunnen an 19 Standorten sorgen dafür, dass das Grundwasser aus dem Boden hochgepumpt und in insgesamt 33 Kilometern Rohwasserleitungen zum Wasserwerk geleitet wird. Das Einzugsgebiet dieser Brunnen umfasst rund 100 Quadratkilometer. Ein umfangreiches Messsystem von 258 Messstellen überprüft die Grundwasserstände und Zu- und Abflüsse von Bächen.

Das Werk wurde 1962 bis 1963 für die bessere Versorgung der Hansestadt Bremen gebaut und in den 70er Jahren ausgebaut, um langfristig 20 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr liefern zu können. In der ersten Filterstufe wird das Rohwasser zunächst von Eisen und Gasen befreit. Durch die Zugabe von Kalk wird das Wasser enthärtet. Abschließend wird ihm in einer zweiten Filterstufe Mangan entzogen. Von Hochbehältern aus fließt das Trinkwasser in freiem Gefälle dann zum Beispiel bis nach Bremen. Auch wenn durch den Klimawandel weniger Niederschlag am Standort Ristedt fällt, ist das Wasserwerk auch in der Zukunft für die Versorgung der Menschen in der Region wichtig. „Der Grundwassserkörper ist groß und durch seine geologische Beschaffenheit wird das Nitrat sehr gut im Boden abgebaut“, erklärt Wasserwerksmeister Stefan Schütte. „Darum können wir hier aus Ristedt nitratarmes Wasser selbst in Dürrezeiten wie in 2018 und 2019 zuverlässig liefern.“

Wasserrecht am Standort Ristedt und Umweltverträglichkeit

 Das Wasserrecht am Standort Ristedt erlaubt eine Förderung von 20 Millionen Kubikmetern Rohwasser pro Jahr durch die Harzwasserwerke. Das Wasserrecht wurde 2010 verliehen und läuft bis 2040. Bei der Beantragung des Wasserrechtes wurden neben dem tatsächlichen Bedarf auch Sicherheitsreserven eingerechnet. Im Rahmen der Beantragung wurden zahlreiche unabhängige Gutachten erbracht, die genau geprüft haben, ob diese Menge Wasser an diesem Standort gewonnen werden kann. Dabei wurde auch untersucht, ob es bei einer dauerhaften Förderung von 20 Millionen Kubikmetern Rohwasser zu Umweltschäden kommen kann. Weil dabei viele Faktoren zusammenkommen, ist das allerdings schwer vorherzusagen. Darum wurde eine umfangreiche, engmaschige Beobachtung durch 258 Messstellen der Harzwasserwerke am Standort Ristedt aufgebaut. Einige Messstellen an besonders wichtigen Standorten sind vollautomatisiert und liefern zum Teil alle 15 Minuten aktuelle Messdaten.

Sollte bei diesem sogenannten Monitoring festgestellt werden, dass es zu Schäden in der Umwelt kommt, die sich eindeutig auf die Trinkwassergewinnung zurückführen lassen, haben sich die Harzwasserwerke zu Kompensationen verpflichtet. Das heißt zum Beispiel, dass in einem solchen Falle Renaturierungen oder Anpflanzungen an anderer Stelle unterstützt werden würden. 2018 haben die Harzwasserwerke eine Art Inventar der Biotope im Einzugsgebiet des Wasserwerkes erstellt, um Veränderungen genauer feststellen zu können.

Grundwasserentnahme im Landkreis Diepholz und der Hombach

Nicht nur die Harzwasserwerke nutzen das Grundwasservorkommen. Im Landkreis Diepholz sind Wasserrechte von insgesamt rund 55 Millionen Kubikmeter pro Jahr vergeben worden. Davon macht die Trinkwassergewinnung nur 59 Prozent aus. Der Rest wird für die Feldberegnung genutzt (34 %) oder von sonstigen Nutzern benötigt. Die Harzwasserwerke greifen auf den Grundwasserkörper Ochtum Lockergestein zu.

„Im Zustrom des Hombachs wird aus diesem Grundwasserkörper auch von anderen Wasserrechtsbesitzern Wasser entnommen – zum Beispiel für die landwirtschaftliche Feldberegnung“, erklärt Uhlen. Analysen des Landkreises Diepholz haben ergeben, dass in diesem Grundwasserkörper noch rund vier Millionen Kubikmeter pro Jahr zusätzlich vorhanden sind.

„Aber man muss bedenken, dass das eine Betrachtung für den gesamten Grundwasserkörper ist“, erklärt Uhlen das komplizierte System. „Lokal begrenzt an einem Ort kann es gerade in Dürrephasen und während der Vegetationsphasen zu Absenkungen des Grundwassers kommen, wenn alle gleichzeitig Wasser aus dem Grundwasserkörper entnehmen.“ Dann würden bei ausbleibendem Niederschlag Flüsse trockenfallen.

„Gerade im Bereich des Hombachs sieht man deutlich, dass sich viele Parteien das Wasser teilen“, sagt Uhlen. Die Forderung, dass sich die Trinkwasserförderung zugunsten der Feldberegnung und der Ökologie der Flüsse zurücknehmen sollte, hält er für schwierig. „Die Menschen wollen auch im Sommer duschen, trinken und brauchen das Wasser. Die Konkurrenz ums Wasser wird in den kommenden Jahren noch zunehmen“, sagt Uhlen. „Darum beteiligen wir uns am „Runden Tisch Hombach“ und unterstützen das Wasserversorgungskonzept auf Ebene von Stadt und Umland von Syke und auch auf Niedersachsen- Ebene. Wir glauben an ein Miteinander von Landwirtschaft, Industrie, Wasserwirtschaft und Umweltschutz.“

Entstehung von Grundwasser

Fällt Niederschlag am Standort Ristedt in Form von Regen oder Schnee, verdunsten davon im Jahresmittel rund zwei Drittel und steigen als Wolken in den Himmel auf. Rund ein Drittel des Niederschlages dagegen wird abflusswirksam – das heißt, ein Teil des Wassers sucht sich entlang des natürlichen Gefälles den Weg in die Flüsse und das Meer, der andere Teil fließt dem Grundwasser zu. Dieser Prozess wird Grundwasserneubildung genannt. Fehlt der entsprechende Niederschlag oder verdunstet mehr Niederschlag als gewöhnlich durch sehr hohe Temperaturen, kann sich das Grundwasser nur langsamer neu bilden.

 

Marie KleinePressesprecherin05121 404-117kleine@harzwasserwerke.de
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